Drohnenangriffe, Raketen, schwere Bomber am Golf: Warum es diesen Dauerkonflikt gibt, was Öl, Religion und eine 39 Kilometer breite Meerenge damit zu tun haben — und warum 1979 im Iran alles anders wurde.
In den Fernsehnachrichten fallen fast täglich die gleichen Begriffe: Drohnenangriffe, Raketen, der Nahe Osten und der Iran. Viele Nachbarländer meiden die Regierung in Teheran, und die USA schicken schwere Bomber in die Region.
Vielleicht fragst du dich beim Anschauen: „Das passiert doch Tausende Kilometer weit weg — was geht mich das eigentlich an?“
Ganz schön viel! Denn Weltpolitik macht an Landesgrenzen nicht halt: Ob die Preise an unseren Tankstellen, Diskussionen über den Einsatz der Bundeswehr oder Menschen, die vor Gewalt fliehen und in Deutschland Schutz suchen — dieser Konflikt reicht bis zu uns in den Alltag.
In diesem Artikel reisen wir durch die Geschichte: Wir zeigen dir, wie aus einem Land mit Miniröcken und Popmusik ein religiöser Überwachungsstaat wurde, warum um eine winzige Meerenge gepokert wird und warum dieser Streit auch für die Politik bei uns in Deutschland so brisant ist.
Früher: Schlaghosen, Rockmusik und ein strenger Herrscher
Wenn man alte Fotoalben aus den 1970er-Jahren im Iran aufschlägt, reibt man sich verwundert die Augen: Junge Menschen in der Hauptstadt Teheran liefen in Jeans oder kurzen Röcken herum, hörten westliche Popmusik und studierten an modernen Universitäten.
Das Land wurde von einem König regiert, dem sogenannten SchahEin persischer Herrschertitel — ähnlich wie „Kaiser“. Der letzte Schah war Mohammad Reza Pahlavi.. Mohammad Reza Pahlavi wollte den Iran im Eiltempo nach westlichem Vorbild modernisieren und pflegte enge Kontakte zu den USA und Westeuropa.
Doch das war nur die halbe Wahrheit: Keine Freiheit — der Schah duldete keine Opposition, sein Geheimdienst verhaftete und folterte Kritiker der Regierung. Ungleichheit — während eine kleine Oberschicht im Luxus schwelgte, blieben viele Familien arm.

Proteste in Deutschland: Als der Schah im Juni 1967 West-Berlin besuchte, demonstrierten tausende deutsche Studentinnen und Studenten lautstark gegen ihn. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen der Polizei, bei denen der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde — ein Ereignis, das die deutsche Nachkriegspolitik und Protestkultur für immer veränderte.
Im Iran selbst schlossen sich schließlich ganz unterschiedliche Gruppen zusammen: Religiöse Menschen, linke Studenten und Arbeiter forderten gemeinsam das Ende der Herrschaft des Schahs.

1979: Die Mullahs übernehmen das Ruder

Im Jahr 1979 stürzten die Menschen im Iran den Schah. Was als Revolution für mehr Freiheit begann, kippte jedoch rasch: Statt einer Demokratie übernahmen streng konservative Geistliche die Macht. Man nennt sie MullahsIslamische Religionsgelehrte — im Iran kamen sie 1979 an die Macht und bestimmen seitdem die Politik., ihr Anführer war Ayatollah Khomeini.
„Wir wollten die Diktatur des Schahs beenden, aber wir bekamen ein System, das uns vorschrieb, wie wir zu beten, was wir anzuziehen und wie wir zu denken haben.“Masih Alinejad, iranische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin, über die Folgen der Revolution (1979)
Über Nacht änderten sich die Gesetze für alle Bürgerinnen und Bürger radikal: Kleidervorschriften — Frauen wurden per Gesetz verpflichtet, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und weite Kleidung zu tragen. Keine Opposition — Parteien wurden verboten, Andersdenkende verfolgt oder hingerichtet.
Feindbild USA: Die neuen Herrscher erklärten die USA zum „Großen Satan“ und besetzten die US-Botschaft in Teheran, wo sie US-Diplomaten über ein Jahr lang als Geiseln festhielten. Aus einem ehemaligen Partner des Westens war ein erbitterter Gegner geworden.
Der Streit um die Vorherrschaft: Sunniten gegen Schiiten

Warum verstehen sich der Iran und viele seiner arabischen Nachbarländer nicht? Ein wesentlicher Grund ist ein jahrhundertealter Richtungsstreit innerhalb des Islam. Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 gab es Streit darüber, wer die Gemeinschaft leiten sollte.
Die SunnitenEtwa 85–90 % der Muslime weltweit — die größte der beiden großen Richtungen des Islam. Kernländer: Saudi-Arabien, Ägypten, Golfstaaten. sagten: Die Gemeinschaft soll den geeignetsten Nachfolger wählen. Die SchiitenEtwa 10–15 % der Muslime weltweit — sie verstehen sich als Nachfahren-Linie des Propheten. Der Iran hat eine schiitische Mehrheit. sagten: Nur direkte Nachfahren aus der Familie des Propheten dürfen die Führer sein.

Beide Gruppen glauben an denselben Gott und denselben Koran — sie streiten über die historische Führung, ähnlich wie Katholiken und Protestanten im Christentum.
Heute liegt auf der einen Seite des Golfs Saudi-Arabien — das mächtigste sunnitische Land, in dem sich die heiligsten Stätten Mekka und Medina befinden. Auf der anderen Seite liegt der Iran — das größte Land mit schiitischer Mehrheit.
Extremisten beider Seiten haben sich in der Vergangenheit gegenseitig sogar als „Ungläubige“ beschimpft. Beide Regierungen ringen um Macht in der gesamten Region: Ob im Jemen, im Libanon oder in Syrien — oft unterstützen Saudi-Arabien und der Iran verfeindete Gruppen. Man nennt das einen StellvertreterkriegEin Konflikt, bei dem zwei Mächte nicht direkt gegeneinander kämpfen, sondern Gruppen vor Ort mit Geld und Waffen ausrüsten..
Reichtum im Boden, aber leere Kassen: Öl, Gas und Sanktionen
Am Persischen Golf geht es aber nicht nur um Religion, sondern um unvorstellbar viel Geld und Rohstoffe: Öl — Saudi-Arabien besitzt gigantische Ölvorkommen und liefert sie problemlos in alle Welt. Gas — vor den Küsten des Iran und Katars liegt das größte Erdgasfeld unseres Planeten (namens South Pars bzw. North Dome). Beide Länder teilen sich diesen gigantischen Schatz unter dem Meeresboden.
Obwohl der Iran auf unfassbaren Rohstoffmengen sitzt, leidet die normale Bevölkerung unter hoher Inflation und Arbeitslosigkeit. Der Grund: SanktionenWirtschaftliche Strafen wie Handelsverbote — ein Land darf dann fast nichts mehr kaufen oder verkaufen.. Weil die Führung des Landes bewaffnete MilizenEine Miliz ist eine bewaffnete Gruppe, die nicht zur regulären Armee eines Staates gehört — oft von einem Land heimlich finanziert und ausgerüstet. unterstützt und heimlich an gefährlichen Technologien forscht, haben die USA und Europa den regulären Handel mit dem Iran fast vollständig blockiert.
Das Nadelöhr: Die Straße von Hormus
Schau dir die Karte des Persischen Golfs genau an: Dort gibt es eine winzige Engstelle zwischen dem Iran und Oman — die Straße von Hormus.

Die Lebensader der Welt: Rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Erdöls und gigantische Mengen Flüssiggas müssen an Bord riesiger Tankschiffe durch diesen schmalen Seeweg fahren. Das Baustellen-Prinzip: Stell dir eine sechsspurige Autobahn vor, auf der alle Autos wegen einer Baustelle auf eine einzige, schmale Spur müssen. Wer die Schranke kontrolliert, bestimmt, wer durchfahren darf — und kann den ganzen Verkehr lahmlegen.
Weil die iranische Küste direkt an dieser Meerenge liegt, droht die Führung in Teheran immer wieder damit, die Durchfahrt mit Kriegsschiffen oder Seeminen zu blockieren. Würde das passieren, stünden weltweit Fabriken still und die Energiepreise würden explodieren.
Der Streit um die Bombe und „bunkerbrechende Waffen“

Seit vielen Jahren sorgt das iranische Atomprogramm für internationale Alarmstimmung. Die Regierung in Teheran behauptet, sie wolle Uran nur anreichern, um Strom und medizinische Geräte herzustellen. Doch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEODie Internationale Atomenergie-Organisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Wien — sie inspiziert Atomanlagen weltweit und prüft, ob Uran friedlich genutzt wird.) schlägt Alarm: Der Iran hat sein Uran so hoch angereichert, dass es für normale Kernkraftwerke technisch keinen Sinn ergibt — es reicht fast aus, um den Sprengkopf einer AtombombeEine Atombombe spaltet Uran-Kerne und setzt dabei eine Vernichtungsenergie frei, wie sie keine normale Waffe erreicht — eine einzige kann eine ganze Stadt zerstören. zu bauen.
Weil die iranische Führung wiederholt gedroht hat, den Staat Israel vernichten zu wollen, sehen Israel und die USA darin eine tödliche Bedrohung.

Da der Iran seine Atomanlagen tief unter Granitfelsen und in unterirdischen Schutzbunkern versteckt hat, besitzt das US-Militär Spezialwaffen: sogenannte bunkerbrechende Bomben — schwere Spezialgeschosse, die sich erst meterweit durch Stahlbeton und Gestein graben, bevor sie tief unter der Erde explodieren.
Und was hat das eigentlich mit uns in Deutschland zu tun?

Genau hier kommt der Grund, warum Politikerinnen und Politiker in Berlin bei jeder Nachricht über den Iran ganz genau hinhören:
Unser Geldbeutel & der Alltag: Wenn Tanker die Straße von Hormus nicht mehr passieren können, wird Öl weltweit sofort Mangelware. Das spüren wir direkt in Deutschland: Benzin wird teurer, Heizöl wird teurer — und weil Lastwagen und Schiffe für ihre Fahrten mehr bezahlen müssen, steigen auch die Preise für Lebensmittel, Kleidung und Elektronik bei uns im Supermarkt. Die Bundesregierung muss dann Gesetze beschließen, um Familien zu entlasten oder Energie aus anderen Ländern zu organisieren.
Die Bundeswehr & internationale Bündnisse: Deutschland ist Mitglied der NATO und ein enger Partner der USA. Wenn in der Golfregion ein Krieg eskaliert, debattiert der Deutsche Bundestag in Berlin oft tagelang darüber: Sollen deutsche Kriegsschiffe in die Region geschickt werden, um Handelsschiffe zu schützen? Wie weit darf die Hilfe für Verbündete gehen, ohne selbst in einen Krieg hineingezogen zu werden?
Menschenrechte & Geflüchtete: Im Iran gehen viele mutige Menschen — vor allem junge Frauen und Mädchen — auf die Straße, um für ihre Freiheit zu protestieren („Frau, Leben, Freiheit“). Das Regime geht mit brutaler Gewalt gegen sie vor. Viele Menschen fliehen deshalb und suchen in Deutschland Schutz. In unserer Politik wird ständig diskutiert, wie Deutschland diesen Menschen am besten helfen kann und wie streng die Bundesregierung gegenüber den Mullahs auftreten muss.
Die historische Verbindung: Dass Politik aus Teheran die deutsche Geschichte verändern kann, hat das Jahr 1967 gezeigt. Der Besuch des iranischen Schahs in Berlin führte zu den größten Studentenprotesten der Nachkriegszeit — ein Meilenstein für die Entwicklung unserer heutigen, offenen Demokratie.
Zum Nachdenken: Darf man sich einfach einmischen?
Wenn man die Nachrichten über Militärschläge hört, stellt sich eine grundlegende völkerrechtliche Frage: Darf ein Staat militärisch in einem anderen Land eingreifen?

Nach den Regeln der Vereinten Nationen (UN-Charta) gilt eigentlich ein striktes GewaltverbotDie wichtigste Regel der UN-Charta: Kein Staat darf das Gebiet eines anderen Staates angreifen oder dessen Grenzen verletzen.: Kein Staat darf das Gebiet eines anderen Landes einfach angreifen. Erlaubt ist militärische Gewalt nur zur Selbstverteidigung nach einem direkten Angriff oder wenn der UN-SicherheitsratDas mächtigste Gremium der Vereinten Nationen: 15 Länder, darunter 5 mit Vetorecht (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich). Nur er darf Militäreinsätze völkerrechtlich erlauben. einen Einsatz ausdrücklich beschließt.

Kritiker werfen den USA und ihren Partnern vor: Angriffe ohne UN-Erlaubnis verletzen das Völkerrecht. Werden dabei Brücken, Fabriken oder Kraftwerke zerstört, trifft das vor allem unschuldige Familien, Kinder und Krankenhäuser.
Befürworter eines harten Kurses sagen dagegen: Wenn ein Unrechtsregime wie im Iran Atomwaffen baut und weltweit Terrorgruppen finanziert, dürfe die internationale Gemeinschaft nicht warten, bis die Bombe fertig ist.
„Eine zentrale Rolle spielt das angespannte Verhältnis zwischen dem Iran und Israel. Der Iran finanziert und bewaffnet seit vielen Jahren Milizen an den Grenzen Israels (wie die Hisbollah im Libanon oder die Hamas). Warum dieser Konflikt so festgefahren ist und was das für die Menschen vor Ort bedeutet, beleuchten wir in einem eigenen, ausführlichen Artikel.“Hinweis der Redaktion zum Iran-Israel-Konflikt
Das Wichtigste in Kürze
Früher vs. Heute: Vor 1979 war der Iran ein vom Westen unterstütztes Königreich mit einem diktatorischen Schah. Nach der Revolution übernahmen die Mullahs die Macht und bauten einen religiösen Überwachungsstaat auf. Machtkampf am Golf: Der schiitische Iran und das sunnitische Saudi-Arabien ringen um die Vormachtstellung im Nahen Osten.
Gesperrte Rohstoffe: Der Iran hat gewaltige Mengen Öl und Gas, darf sie wegen internationaler Sanktionen aber kaum regulär exportieren. Gefährliches Nadelöhr: Ein Fünftel des weltweiten Öls fließt durch die Straße von Hormus. Wird sie blockiert, explodieren weltweit die Energiepreise.
Nah dran an Deutschland: Der Konflikt beeinflusst unsere Preise im Supermarkt, die Debatten im Bundestag über Auslandseinsätze der Bundeswehr und das Thema Asyl und Menschenrechte.
Kleines Wörterbuch: Begriffe einfach erklärt
- Schah
- Persischer Herrschertitel — ähnlich wie „Kaiser“. Der letzte Schah, Mohammad Reza Pahlavi, regierte bis 1979.
- Mullah
- Islamischer Religionsgelehrter. Nach der Revolution 1979 übernahmen Mullahs die Macht im Iran.
- Ayatollah
- Ein besonders hoher schiitischer Gelehrter — Ayatollah Khomeini führte die Revolution 1979 an.
- Sunniten
- Etwa 85–90 % der Muslime weltweit. Kernländer: Saudi-Arabien, Ägypten, Golfstaaten.
- Schiiten
- Etwa 10–15 % der Muslime, im Iran die Mehrheit. Der Streit mit den Sunniten dreht sich um die historische Führung der islamischen Gemeinschaft.
- Stellvertreterkrieg
- Zwei Mächte kämpfen nicht direkt gegeneinander, sondern rüsten verfeindete Gruppen in anderen Ländern mit Geld und Waffen aus.
- Sanktionen
- Wirtschaftliche Strafen wie Handelsverbote. Der Iran kann wegen Sanktionen sein Öl und Gas kaum noch regulär verkaufen.
- IAEO
- Die Internationale Atomenergie-Organisation der UN — sie inspiziert Atomanlagen weltweit.
- Straße von Hormus
- Nur 39 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman — durch sie fahren rund 20 % des weltweiten Öls.
- Gewaltverbot
- UN-Charta Artikel 2: Kein Staat darf einen anderen Staat angreifen. Ausnahmen: Notwehr oder ein ausdrücklicher Beschluss des UN-Sicherheitsrats.
- Milizen
- Eine Miliz ist eine bewaffnete Gruppe, die nicht zur regulären Armee eines Staates gehört — oft von einem Land heimlich finanziert und ausgerüstet.
- Atombombe
- Eine Atombombe spaltet Uran-Kerne und setzt dabei eine Vernichtungsenergie frei, wie sie keine normale Waffe erreicht — eine einzige kann eine ganze Stadt zerstören.

Hinweis der Redaktion
Dieser Artikel stammt aus der Redaktion von Check die Politik. Die Sichtweisen im Konflikt werden fair dargestellt (Beutelsbacher Konsens), die Fakten sind einzeln belegt. Stand der Faktenprüfung: 11. Oktober 2026. Hinweise auf Fehler nehmen wir gern entgegen.
Die Fakten — einzeln belegtZum Auf- und Zuklappen
- Weltweit sind mehr als 120 Millionen Menschen auf der Flucht — der Iran ist eines der Hauptherkunftsländer (UNHCR).
- 1979 stürzte die Islamische Revolution den Schah; seitdem regieren die Mullahs mit streng religiösen Gesetzen.
- Rund 20 % des weltweiten Erdöls fahren durch die nur 39 km breite Straße von Hormus (SWP).
- Die IAEO berichtet seit Jahren, der Iran habe Uran weit über dem für Kraftwerke nötigen Grad angereichert.
- UN-Charta Artikel 2: Militärische Gewalt gegen andere Staaten ist grundsätzlich verboten — außer zur Notwehr oder mit UN-Mandat.
Quellen
- bpb: Dossier Islamische Republik Iran (Geschichte, Gesellschaft, Religion)
- IAEO: Berichte zum iranischen Atomprogramm (Uran-Anreicherung)
- UN-Charta, Artikel 2 Ziffer 4 — Allgemeines Gewaltverbot
- Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Völkerrechtliche Bewertung von Präventivschlägen gegen kerntechnische Anlagen
- SWP: Studien zur Sicherheitslage am Persischen Golf und der Straße von Hormus

